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Projektgruppe
Gymnasium
Carolinum
Osnabrück

Tilings Wirken

Dieses Foto, das Tiling mit Fliegermütze zeigt, ist in Osnabrück das bekannteste Portrait von Tiling. Es erinnert an Tilings Popularität als Kunstflieger.

Reinhold Tiling wurde am 13. Juni 1893 im fränkischen Absberg als Sohn eines Pastors geboren. Kurz nachdem er angefangen hatte, Maschinenbau und Elektrotechnik zu studieren, wurde er 1914 bei Beginn des Ersten Weltkrieges eingezogen. 1915 meldete er sich freiwillig als Flieger zur neu entstehenden Luftwaffe.
Nach dem Krieg machte Tiling sich einen Namen als Kunstflieger mit gewagten Flugvorführungen.

Tiling in Osnabrück

1926 wurde Tiling Flugleiter auf dem Flugplatz Netter Heide in Osnabrück. Er war nach wie vor ein begeisterter Sportflieger.

Nachdem zu erkennen war, dass der Flugplatz in Osnabrück für eine dauerhafte Nutzung durch den Linienverkehr nicht geeignet war, wandte sich Tiling zunächst nebenberuflich der Raketentechnik zu und begann 1928, mit Raketen zu experimentieren.

1929 stellte Gisbert Freiherr von Ledebur Tiling auf seinen Schloß Ahrenhorst in Bohmte bei Osnabrück eine Werkstatt zur Verfügung. Die ersten Vorführungen für Vertreter aus Wirtschaft und Verwaltung fanden im Juni 1929 mit großem Erfolg statt. Die Rakete erreichte eine Höhe von etwa 1000 Metern. Das Land Oldenburg stellte Tiling daraufhin eine größere Experimentierfläche auf der Insel Wangerooge zur Verfügung.

Start auf Wangerooge

Die Raketen erreichten Flugweiten bis zu 12 km.

Seinen größten Erfolg in der Öffentlichkeit erzielte Tiling mit dem ersten Start einer Postrakete am 15. April 1931 auf dem Ochsenmoor am Dümmer. Dabei wurden 188 Postkarten sicher mit seiner Rakete befördert.
Bei zahreichen weiteren Starts konnte Tiling die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit seiner Raketen unter Beweis stellen. Tiling war in ganz Deutschland berühmt und zeigte seine Raketen bei vielen öffentlichen Flugvorführungen.

Bei Vorbereitungen zu einer Vorführung kam es am 10. Oktober 1933 in seiner Werkstatt zu einem tragischen Unglücksfall. Beim Pressen des Pulvers zum Füllen einer Rakete hat sich das Pulver offenbar überhitzt und entzündet. Bei der Explosion haben Reinhold Tiling, seine Assistentin Angela Buddenböhmer und sein Mechaniker Friedrich Kuhr so schwere Verletzungen erlitten, dass sie am nächsten Tag verstorben sind.

Einige Jahre lang wurde die Arbeit von Reinhold Tilings Bruder Richard fortgesetzt. Die Versuche fanden inzwischen großes Interesse auch bei militärischen Stellen.
Im November 1939, kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs, wurden die Arbeiten auf Anweisung der Machthaber beendet, da sie für militärische Zwecke offenbar doch nicht zu verwerten waren.